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Vom „Schwarz-Ausschank“ in die Münchner Residenz

120 Jahre Floh-Hupferl

Wie ein Spielchen Meere übersprang und im Königlich-Bayerischen Kaiserhof  landete.
Sensationeller Geburtstagspreis gilt vorläufig weiter 

 

Das Jahr 1889 sollte man sich merken, denn es enthält ein Datum, an dem die Menschheit einen gewaltigen Sprung nach vorne machte: Am 7. August 1889, also vor 120 Jahren, bekam Mister Joseph Assheton Fincher aus London vom Patentamt ihrer Königlichen Majestät von England die exclusiven Markenrechte für die Erfindung eines Spiels, das innerhalb von nicht einmal hundert Jahren die westliche Welt nebst Amerika eroberte: Das Floh-Hupferl.

flohhupferl

Statt 18,50 Euro kostet das Floh-Hupferl nur 16,00 Euro – und das bis 31. 12. 2009, bis das 120. Geburtstagsjahr vom Tiddlywinks vorbei ist.


Die Ursprünge dieser grandiosen Erfindung wabern zwar nicht gerade im Dunkel eines mystischen Geschehens, aber immerhin doch in den (damals noch erlaubten) Rauchschwaden eines englischen Wirtshauses. Der Legende nach gab es in der Nähe von London ein Pub namens Tiddlywinks. Tiddly ist ein lautmalendes Wort ohne Bedeutung und to wink heißt mit den Augen zwinkern,  jemandem zublinzeln. Das Tiddlywinks  besaß keine Lizenz für den Alkoholausschank und das Zublinzeln war unter Eingeweihten das Geheimzeichen für ein Treffen in eben jenem Wirtshaus.

Im Tiddlywinks war Mr. Joseph Assheton Fincher Stammgast und – so besagt die Legende - ein leidenschaftlicher Golfspieler war er angeblich noch dazu. Diese Leidenschaft soll ihm nagenden Gram verursacht haben: Beim Golfspiel gibt es einen Schlag namens Chip, ein sogenannter Annäherungsschlag. Und dieser Chip ging Mister Fincher so schwer von der Hand, daß er seinen Freunden im Tiddlywinks  nicht nur regelmäßig und ausführlich von seinem unglücklichen Treiben berichtete, sondern seine Beschreibungen  handgreiflich begleitete: Mit Münzen und kleinen runden Scheibchen, Chips aus Holz und / oder Metall, die er mit Druck und Gegendruck zum Hüpfen brachte. Daraus wurde im Tiddlywinks das, was man heute ein „Kultspiel“ nennen würde. Dies beflügelte Joseph Assheton Fincher dermaßen, daß er seine verhinderte Golftechnik in einem Patentantrag nebst Zeichnung verewigte und am 7. August 1889 dafür mit dem exclusiven Königlichen Markenrecht belohnt wurde. Der Name blieb Programm: Das neue Spiel hieß, ihn ehrendem Gedenken an seinen geistvollen Geburtstort, ganz offiziell Tiddlywinks. Das ist der englische Name des Floh-Hupferls bis auf den heutigen Tag.

„Irgendwie“ wurde das Floh-Hupferl zum Haus- und Lieblingsspiel von Studenten der Universitäten Cambridge und Oxford, die die Kunde vom Tiddlywinks derart verbreiteten, daß im Jahre 1958 die English Tiddlywinks Association gegründet wurde (was in Bayern auf den Namen „Bayerischer Floh-Hupferl-Verband“ hinausliefe). Die Tiddlywinks Association zeigte keinerlei Hemmung, auch einen gewissen Prinz Philipp, besser bekannt als Gatte von Königin Elisabeth II., in ihre Öffentlichkeitsarbeit einzubeziehen, sodaß sich der Ruhm des Floh-Hupferls, wenn auch nicht rasend, so doch in immer schnelleren und größeren Sprüngen verbreitete. 1962 sprengte ein Tiddlywinks-Team der Universität Oxford die europäischen Fesseln, begab sich über den großen Teich und forderte Mannschaften amerikanischer Universitäten zum Wettstreit. Das Floh-Hupferl-Fieber grassierte bald auch in den USA, die im Jahre 1968 die Gründung der American Tiddlywinks Association feiern durften.

Der Erfolg des Floh-Hupferls liegt vor allem darin begründet, daß die Tiddlywinks-Pioniere Turniere austrugen, bei denen das Regelwerk populärer Sportarten galt: Es gab Floh-Hupferl-Wettbewerbe a la Tennis oder Kricket, für die geradezu geniale, graphisch höchst ansprechende Werbeplakate geschaffen wurden. Keiner dieser frühen Floh-Hupferl-Fans hatte sich jemals die Frage nach dem „Sinn und Zweck“ gestellt: Das Tiddlywinks hüpfte einfach so um die Welt, aus purer Freude am Spiel und Verspieltsein: Weviele Menschen sich am Tiddlywinks erfreuten und bis heute damit Freude erleben, weiß niemand, aber es sind sicherlich Millionen.

Das Floh-Hupferl, das in Bayern bekannt ist, tritt seit jeher im klassischen Gewand eines hölzernen Fliegenpilz-Schwammerls auf. Es kommt aus Südtirol von den Meraner Spielwerken (MESPI), die das Floh-Hupferl seit Jahrzehnten vertreiben, obwohl MESPI „eigentlich“ für seine Kreiselspiele wie das Tiroler Roulette und die Südtiroler Tischkegelspiele bekannt ist.

In München hat der berühmte Schwammerl aus Südtirol bereits im vergangenen Herbst eine Geburtstagsvorstellung gegeben: Bei der Auer Kirchweihdult 2009 war auch ´s Tischerl vertreten, das dem Floh-Hupferl-Jubiläum besondere Aufmerksamkeit widmete: Statt 18,50 Euro kostete das Floh-Hupferl nur 16 Euro. Die Floh-Hupferl-Freunde wussten dieses Angebot zu schätzen und griffen freudig zu.
Daß das kein Zufallstreffer war, zeigte sich bei einem der schönsten Christkindlmärkte Münchens bald darauf: Im 2. Weihnachtsdorf  im Kaiserhof der Münchner Königs-Residenz Ende 2009 eroberte das Floh-Hupferl die Herzen vieler Menschen quasi „im Sprung“.
Weil die Tischerl-Freunde dem Floh-Hupferl so treu bleiben, wollen wir uns gerne revanchieren: Bis auf weiteres gilt der Geburtstagspreis- 16 Euro statt 18,50 Euro.

Flohhupferlplakat

Von England in die ganze Welt: Das Floh-Hupferl – englisch Tiddlywinks oder Tiddledywinks –  entwickelte sich zu einem unglaublich populären Zeitvertreib für die verspielte Tischgemeinschaft und brachte viele aufwendig gestaltete Illustrationen hervor.
Copyright: American Tiddlywinks Association / Rick Tucker